Bruchstücke, 2022

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Wie sind Erinnerungen mit einem Ort, einem Gebäude verknüpft? Wie lassen sich diese Erinnerungen konservieren, wenn ebendieser Ort nicht mehr da ist? Diesen Fragen stelle ich mir in einer Auseinandersetzung mit dem Verlust von Haus und Heimat durch den Braunkohleabbau.

Meine Arbeit beschäftigt sich mit diesen Fragen am Beispiel des jahrhundertealten Elternhauses meiner Familie väterlicherseits. Dieses lag im Rheinischen Braunkohlerevier in der Abbauzone des Tagebaus Hambach und musste diesem weichen.
Die vom Bauschutt gesammelten Backsteine habe ich mit Amboss und Hammer meines Großvaters pulverisiert und so als Grundlage für Ton genutzt, aus dem ich dann wiederum Backsteintonhäuschen baute. Die Form dieser ist sehr stereotyp und generisch. Reicht also das Wissen über Material aus, um ein Gefühl von Sentimentalität auszulösen?

176 Häuschen, ausgerichtet nach Karten des Straßennetzes, stehen auf dem Boden.Wie ein Riese blickt man hinab auf das kleine Dorf, das man leicht zerstören könnte. Ebenso, wie ein Bagger einfach Haus für Haus überrollt. So gewinnt das Material zusätzlich an Fragilität.
In der Ausstellungssituation, die der Wewerka Pavillon bietet, entsteht trotzdem eine Distanz. Ein tatsächliches Annähern ist nicht möglich, die Häuschen genießen einen besonderen Schutz.

 

Zu hören sind Interviewausschnitte mit verschiedenen Familienmitgliedern, die in Manheim aufgewachsen sind. Sie erzählen von ihren Erinnerungen, die mit dem Ort und ihren Häusern zusammenhängen. Die Arbeit soll zum einen erinnern an das, was war und an das, was das Haus als Gebäude überlebt hat – im Ton hat es erneut eine Funktion erhalten. Zum anderen wird die Zerstörung verbildlicht, durch das Pulverisieren der Backsteine und das Gefühl einer Fragilität, die der Arbeit innewohnt.